Das Travel Setup von Peter Tilly

Wer bist Du?

Peter Tilly, Jahrgang 1966, geboren in Zürich und Wohnhaft in einem Vorort in eben diesem Zürich.

Warum reist Du?

Ist mein Beruf! Seit über 20 Jahren sitze ich im Cockpit von Swissair und Swiss Flugzeugen und jette um die Welt. Nach 15 Jahren Langstrecke, bin ich im Moment als Kapitän auf Kurzstreckenflugzeugen (A320-Familie) für Swiss International Airlines unterwegs.

Wie ist Dein Travel Setup?

Meistbenutztes Verkehrsmittel?

Beruflich das Flugzeug, privat alles andere als das Flugzeug. Ich fliege privat so gut wie nie. Obwohl ich mit meiner Partnerin jährlich in der besten Klasse einen fest gebuchten Flug abfliegen dürfte, bevorzugen wir Urlaub in den Bergen und lassen den Freiflugschein verfallen. Das entspannenste, inspirierenste und gemütlichste Verkehrsmittel ist und bleibt die Bahn.

Lieblingsflugplatz?

Soll ich jetzt Douala nennen? Die Sicherheitskontrolle ist dort für Piloten so angenehm wie nirgends. «Tu peux passer, c’est ton avion!», hörte ich an der Security am liebsten. Leider ist im ganzen Security-Wahn die Verhältnismässigkeit verloren gegangen. Mühsamste Flughäfen: London, Delhi, Mumbai, Paris und – Frankfurt!

Reisetipps vom Flugkapitän:

Tipp1 – Handgepäck:

Oft höre ich von Passagieren, dass sie das Gepäck lieber auf das Flugzeug nehmen, um etwas Zeit zu sparen. Dies stimmt in der Regel nicht. Das Boarding der Passagiere verlangsamt sich wegen der immer grösser werdenden Gepäckstücke dermassen, dass diese Weisheit in das Reich der Mythen gehört. Ausserdem risikiert der Passagier, dass ihm beim Boarding das Handgepäck abgenommen wird und im Flugzeugbauch verschwindet. Dies passiert nicht böswillig, sondern weil der Stauraum in der Kabine schlichtweg fehlt. Besonders ärgerlich kann dies für Passagiere mit Anschlussflug sein. Dieses abgenommene Gepäck kann nicht in jedem Fall «durchgechecked» werden, verbleibt also einsam auf dem Rollband des Umsteigeflughafens, während der Besitzer bereits im nächsten Flieger sitzt. Minimales Handgepäck garantiert maximalen Reisegenuss!

Tipp 2 – Schuhe ausziehen, aber bitte nicht zu früh:

Gerade auf Langstreckenflügen können Schuhe den Fuss unnötig einengen. Die abgegebenen Slipper oder Socken sind wesentlich angenehmer. In Anbetracht, dass der Start das heikelste Flugmanöver ist und bleibt, sollten die Schuhe erst in der Luft abgelegt werden. Falls es zu einem Startabbruch mit folgender Evakuation kommt, könnten die fehlenden Schuhe zum echten Problem werden. Barfuss über Scherben laufen ist nur etwas für Fakire.

Lieblingsgepäckstücke?

Rimowa! Grosse Erleichterung bringen die neueren Modelle mit TSA-Schloss. Die Transportation Security Administration TSA ist in Amerika für die Sicherheitskontrollen zuständig und röntg auch alle Gepäckstücke. Finden sie etwas Verdächtiges, muss der Koffer geöffnet werden. Dies kann dem Gepäckstück übel zusetzen, wenn der Beamte das Schloss nicht öffnen kann. Das TSA Schloss auf den Koffern ist ein Sesam-öffne-dich für alle TSA Crews.

Was immer mit muss!

Das iPad mit externer Tastatur. Es ist ein Wunderding, das den Computer ersetzt und erst noch ohne Probleme durch die Sicherheitskontrolle geht. Da es in vielen Hotels an einem leistungsfähigen WiFi mangelt (meist überlastet), habe ich stets ein Air Port Express im Gepäck, mit dem ich mir über das LAN ein privates WiFi basteln kann.

Mittel gegen Jetlag?

Ich könnte viel Geld damit verdienen, wenn ich hier ein Rezept hätte. Ich habe es mit vielem probiert, auch mit dem Melatonin. Letzteres ist und bleibt ein Medikament, das ich ungerne einsetze, und mir ehrlich gesagt auch nicht viel geholfen hat. Müdigkeit, Schlafmangel und Jetlag sind in unserem Beruf grosse Themen, die es zu beachten gibt.
Folgendes funktioniert ansprechend:

  • Jede Minute Schlaf zählt: Powernaps machen, Mittagsschlaf geniessen..
  • Sport (auch leichter Spaziergang) hilft. Wer schon mal um 5 Uhr in der Früh in New York im dunklen Central Park joggen war weiss, dass diese Erlebnisse zu den schönsten gehören, die man in dieser verrückten Metropole erleben kann.
  • Sparsam mit Alkohol.

Weisheiten eines Kapitäns:

Ein Flugzeug ist eine Bühne, auf der jeder die Hauptrolle spielt. Manchen gelingt das souverän, manche blamieren sich bis auf die Knochen. So ist das Leben, so läuft es auf der Welt. Als Kapitän habe ich die Ehre, in diesem Theaterstück Regie zu führen und das mache ich auch gerne. Ich transportiere pro Tag bis zu 700 Passagiere und bin immer wieder aufs Neue überrascht, wie unterschiedlich meine Gäste sind. Sie sind es, die meinen Beruf zu dem machen was er ist. Sie sind es, die mich jeden Tag aufs neue zum Schmunzeln und Nachdenken bringen. Regie zu führen in diesem Theater macht Spass, auch wenn ich ab und zu die Klappe laut zuschlagen muss…

Tags: ,